Die Transrapid-Versuchsanlage Emsland
Fast drei Jahrzehnte lang wurde der Transrapid im Emsland im Maßstab 1:1 erprobt. Hier siehst du, wie die Strecke aufgebaut ist und wie sie entstand.
Steckbrief
- Standort
- Lathen, Emsland
- Bauzeit
- 1980 bis 1987, in zwei Bauabschnitten
- Versuchsbetrieb
- 1984 bis 2011
- Länge
- 31,5 km
- Gerade
- etwa 12 km
- Wendeschleifen
- Radius 1.690 m (Nord) und 1.000 m (Süd)
- Querneigung in Kurven
- bis 12 Grad
- Fahrzeuge
- TR06, TR07, TR08, TR09
- Höchstgeschwindigkeit
- 450 km/h (TR07, 1993)
- Zustand
- nicht betriebsbereit, jedoch vollständig erhalten
Eine Gerade, zwei Schleifen
Das Herz der Versuchsanlage ist ein gerader Abschnitt von etwa 12 km, an den sich im Norden und Süden je eine Wendeschleife anschließt. So konnte der Transrapid im Kreis fahren und auf der Geraden Höchstgeschwindigkeit erreichen.
Versuchszentrum und Wendeschleifen sind über Stahl-Biegeweichen mit der Geraden verbunden. Die Trasse verläuft überwiegend aufgeständert, auf einem kurzen Abschnitt ebenerdig. In den Kurven ist der Fahrweg um bis zu 12 Grad geneigt.
Am Bau des Fahrwegs waren unter anderem Dyckerhoff & Widmann, Lavis, ThyssenKrupp, Krauss-Maffei und Max Bögl beteiligt.
Biegeweichen aus Stahl
Die Weichen des Transrapid haben keine beweglichen Zungen. Ein durchgehender, an einem Ende fest eingespannter Stahlträger wird elastisch gebogen. Die Länge der Weiche bestimmt den Biegeradius und damit das Tempo in Abzweigstellung, geradeaus sind alle Weichen mit Höchstgeschwindigkeit befahrbar. Entwickelt und gebaut wurden sie von Krauss-Maffei und Thyssen-Henschel.
Aufgeständert, ebenerdig, Beton oder Stahl
Der Fahrweg in Shanghai nutzt den im Emsland erprobten Hybridträger.
Der größte Teil des Fahrwegs steht auf Stützen zwischen 1,50 m und 12 m Höhe, damit die Landschaft möglichst wenig beeinträchtigt wird. An Straßenkreuzungen beträgt die Durchfahrtshöhe standardmäßig 4,70 m, ein Standardträger ist 24,8 m lang. Einfeldträger überspannen 12 bis 37 m zwischen zwei Stützen, Zweifeldträger liegen mit bis zu 2 × 31 m auf drei Stützen auf.
Auf einem kurzen Abschnitt wurde der aufgeständerte Fahrweg entfernt und durch verschiedene ebenerdige Varianten auf einem aufgeschütteten Hügel ersetzt. Dort liegen 6,20 m lange Fahrwegplatten auf einem durchgehenden Fundament und kurzen Stützen aus Beton oder Stahl.
Erprobt wurden drei Trägerarten:
- Betonträger: komplett aus Spannbeton, Statoren und Seitenführschienen über eingemörtelte Anker befestigt.
- Stahlträger: Tragwerk komplett aus Stahl, Statoren verschraubt, Seitenführschienen angeschweißt.
- Hybridträger: Spannbeton mit 3 m langen Stahlmodulen, an denen Statoren verschraubt und Seitenführschienen verschweißt sind. Dieser Typ wird in Shanghai eingesetzt.
Wie die Versuchsanlage entstand
- Vorgeschichte
Absage im Donauried
Geplant war zunächst eine 57 km lange Versuchsanlage zwischen Dillingen und Donauwörth. Nach heftigen Protesten der Anwohner wurde sie trotz weit fortgeschrittener Planung abgesagt.
- Vorgeschichte
Das Emsland setzt sich durch
Gerhard Hugenberg, Geschäftsführer der Emsland GmbH, wirbt für die Region, die unter Jugendarbeitslosigkeit leidet. Ein Vorteil: Ein Großteil der geplanten Geraden gehört bereits dem Bund. Dort war vor dem Zweiten Weltkrieg ein Seitenkanal für die Schifffahrt begonnen und im Krieg aufgegeben worden, Reste stehen noch heute neben dem Fahrweg. Für weitere Flächen werden knapp 150 Pachtverträge geschlossen.
- 1980
Erster Bauabschnitt
Bis 1983 entsteht die Nordschleife samt Verbindung zur Versuchshalle, insgesamt 20,5 km.
- 1983
Zweiter Bauabschnitt
Bis 1987 folgt die Südschleife mit moderneren Beton- und Stahlträgern und teils bis 15 m hohen Stützen.
- 1984
Erste Fahrten mit dem TR06
Ein Kabelbrand verschiebt den für September 1983 geplanten Start auf Anfang 1984. Bis 1991 erreicht der TR06 412,6 km/h.
- 1991
Technische Einsatzreife
Mit dem TR07 wird die technische Einsatzreife des Transrapid festgestellt. 1993 erreicht er 450 km/h.
- 1999
Transrapid 08
Das Vorseriefahrzeug erreicht im Emsland 420 km/h und wird zur Basis für Shanghai.
- 2006
Unfall
Beim Unfall auf der Versuchsanlage wird der TR08 beschädigt.
- 2007
Transrapid 09
Der letzte deutsche Transrapid fährt im Emsland bis zu 400 km/h.
- 2011
Ende des Versuchsbetriebs
Die Technik gilt als marktreif, weiterer Testbedarf besteht nicht. Der Betrieb wird eingestellt.