Hyperloop
Versprochen waren 1.200 km/h im Vakuum. Geliefert wurden Pressetermine, Förderbescheide und Insolvenzen. Eine Bilanz nach über zehn Jahren und fast einer Milliarde Dollar.
Fliegen in der Röhre. Theoretisch.
Eine Kapsel, eine Röhre ohne Luft und Tempo wie im Flugzeug: Auf dem Papier ist der Hyperloop unschlagbar. Auf dem Papier.
2013 veröffentlichte Elon Musk ein Konzeptpapier mit dem Namen „Hyperloop Alpha“. Die Idee: Kapseln rasen durch eine fast luftleere Röhre, ohne Luftwiderstand, mit über 1.000 km/h. Von Los Angeles nach San Francisco in einer halben Stunde, günstiger als jede Bahn. Musk selbst baute nie eine Strecke. Er warf die Idee in die Welt und überließ anderen das Risiko.
Und die griffen zu. Start-ups schossen aus dem Boden, Investoren und Regierungen pumpten Geld hinein, Ministerpräsidenten ließen sich vor Teströhren fotografieren. Über zehn Jahre später steht die Bilanz fest: kein einziger Kilometer Linienbetrieb, kein einziger zahlender Fahrgast.
Versprochen und geliefert.
Wer hohe Geschwindigkeiten verspricht, muss sie irgendwann auch fahren. Ein Blick auf die schnellsten bemannten Tests zeigt, wie weit Werbung und Wirklichkeit auseinanderliegen.
Virgin Hyperloop
Hardt Hyperloop
Zum Vergleich: Transrapid
Quelle: Das Ende der Hyperloop-Blase, magnetbahn.de, Mai 2026, mit Einzelbelegen
Vier Firmen, null Fahrgäste.
- Virgin Hyperloop One, USA
- über 450 Mio. US-Dollar · bester bemannter Test 172 km/h · Ende 2023 eingestellt, Patente an einen Hafenlogistiker
- Hardt Hyperloop, Niederlande
- über 50 Mio. € aus Förderung und Kapital · bester bemannter Test 85 km/h · insolvent seit März 2026
- Zeleros, Spanien
- über 15 Mio. € · insolvent seit März 2026 · Kerntechnik für rund 958.000 € an einen Rüstungs- und Energiezulieferer verkauft
- HyperloopTT, USA
- rund 50 Mio. US-Dollar · Teststrecke in Toulouse 2022 abgebaut · Gehälter blieben laut eigenem CEO monatelang aus
- Zusammen
- fast eine Milliarde US-Dollar · null Kilometer Linienbetrieb · null zahlende Fahrgäste
Die Physik lässt sich nicht wegfördern.
Chronik eines Absturzes
- 2013
Ein PDF verändert nichts
Elon Musk veröffentlicht „Hyperloop Alpha“. Die Medien überschlagen sich, Start-ups gründen sich im Dutzend. Gebaut wird das Konzept von Musk selbst nie.
- 2017
Europa steigt ein
Aus einem Studententeam der TU Delft entsteht Hardt Hyperloop. Ein Jahr zuvor hat sich in Valencia bereits Zeleros gegründet. Fördergelder aus Brüssel und den Hauptstädten folgen.
- 2020
Der große Rekord: 172 km/h
Virgin Hyperloop schickt zum ersten und einzigen Mal Menschen durch seine Röhre. Ergebnis: 172 km/h. Ein ICE schafft das auf jeder Ausbaustrecke.
- 2022
Rückbau in Toulouse
HyperloopTT baut seine Teststrecke in Frankreich wieder ab.
- 2023
Neue Röhren, altes Ende
In Veendam eröffnet das European Hyperloop Center mit 420 Metern Röhre, in Bayern eine 24 Meter lange Teströhre der TU München für 3,5 Millionen Euro. Zum Jahresende macht Virgin Hyperloop One dicht.
- 2025
Berlin will eine Referenzstrecke
Der Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD sieht eine nationale Hyperloop-Referenzstrecke vor. Der Transrapid kommt darin nicht vor. Im September schafft Hardt im bemannten Test stolze 85 km/h.
- 2026
Die Blase platzt
Am 4. März meldet Hardt Insolvenz an, nachdem die EU eine weitere Förderrate ablehnt. Ende März folgt Zeleros. Von den vier bekanntesten Hyperloop-Firmen ist keine mehr übrig, die ihr Versprechen noch einlösen könnte.
Und Deutschland fördert weiter.
27 Meter Teströhre in Emden. Gleichzeitig sollen 31,5 Kilometer fertige Transrapid-Strecke im Emsland abgerissen werden.
Während im Ausland eine Hyperloop-Firma nach der anderen aufgibt, fließt in Deutschland munter weiter Geld. Bayern finanziert über die Hightech Agenda das Hyperloop-Programm der TU München, inklusive einer 24 Meter langen Teströhre. Das daraus entstandene Spin-off hat bis heute keine öffentlich bekannten Umsätze oder Finanzierungsrunden vorzuweisen.
Die Hochschule Emden/Leer feiert ihre 27 Meter lange „goTube“ als längste Hyperloop-Teststrecke Deutschlands. Über das EU-Projekt HyperBRIDGE laufen bis 2029 weitere 4,8 Millionen Euro, koordiniert ausgerechnet vom European Hyperloop Center, dessen Hauptpartner Hardt gerade pleitegegangen ist.
Das Muster ist immer gleich: Begeisterung, Fototermin, Förderantrag, nächster Förderantrag. Das Risiko trägt der Steuerzahler, gemessen wird niemand an echten Ergebnissen. Und obendrauf will die Bundesregierung jetzt eine Referenzstrecke für eine Technik, an der gerade die Privatwirtschaft gescheitert ist.
Die Röhre braucht niemand. Der Transrapid fährt.
Kein Vakuum, keine Kapseln, keine Ausreden: Die schnellste Bahn der Welt im Linienbetrieb kommt aus Deutschland.
Alles, was der Hyperloop seit über zehn Jahren verspricht, kann der Transrapid längst. Seit 1991 ist er einsatzreif, seit über 20 Jahren fährt er in Shanghai im täglichen Linienbetrieb, zeitweise mit 431 km/h und mit Millionen von Fahrgästen. Er schwebt an der frischen Luft, hat Platz für ganze Züge statt einzelner Kapseln, und im Notfall öffnet man einfach die Tür.
Wer Deutschland schneller machen will, braucht keine Teströhren und keine neuen Förderprogramme. Er braucht nur den Mut, eine fertige Technik endlich dort einzusetzen, wo sie erfunden wurde.
Fördert, was fährt.
Statt weitere Millionen in Teströhren zu versenken, gehört das Geld in eine Technik, die ihre Serienreife längst bewiesen hat. Genau dafür setzt sich Zukunft Fernverkehr e.V. ein.


