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Grüne im Bundestag lehnen Magnetschwebebahn ab

Am 30. Januar 2026 zeigte der Deutsche Bundestag, wie ideologisch und faktenfrei Verkehrspolitik inzwischen geführt wird. In einer GVFG-Debatte verlangte Bündnis 90/Die Grünen, vertreten durch Victoria Broßart, den Ausschluss von Magnetschwebebahnen aus der Förderung. Ihr Fraktionskollege Tarek Al-Wazir bezeichnete die Technologie im Plenum pauschal als „Quatsch“ ohne jede Auseinandersetzung mit Studien oder realen Anwendungsfällen.

Als der AfD-Abgeordnete Maximilian Kneller widersprach und Broßart eine „Transfeindlichkeit beim Thema Verkehr“ (angelehnt auf Transrapid) vorwarf, griff die Sitzungsleitung ein. 

Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz erteilte einen Ordnungsruf, mit der Begründung, die Wortwahl stelle keinen sachlichen Bezug zur Debatte her, sondern greife die Abgeordnete persönlich an. Ein weiterer Ordnungsruf folgte, als Bernd Baumann die Sitzungsleitung für diese Vorgehensweise kritisierte. 

Der Antrag und die Debatte

Am 30. Januar 2026 wurde im Bundestag ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Novellierung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) beraten – offizieller Titel: „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz novellieren – Kommunen stärken und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs langfristig absichern“ (Drucksache 21/3842). Inhaltlich enthielt er eine Forderung, die vor dem Hintergrund aktueller Verkehrsdebatten kaum auffälliger sein konnte: Die Grünen verlangen, „auf die Förderung von Magnetschwebebahnen zu verzichten, da diese keinen verkehrlichen Mehrwert für den ÖPNV bieten und den Ausbau bestehender ÖPNV-Systeme verhindern.“

Diese Aussage ist nachweislich falsch. Unabhängige Machbarkeitsstudien – unter anderem für Nürnberg – zeigen, dass das Transport System Bögl (TSB) in relevanten Kennzahlen deutlich vor konventionellen Straßenbahnen liegt: bei Energieverbrauch, bei Wartungskosten und bei Unfallrisiken. Die Technik bietet, im richtigen Anwendungskontext, massive Vorteile gegenüber bestehenden Systemen. Dass diese Vorteile in einem Bundestag-Antrag gleich pauschal weggewischt werden, muss sich die Grüne Abgeordnete Victoria Broßart in dieser Debatte vorwerfen lassen.

Besonders aufschlussreich war ein Zitat, das dem Grünen Abgeordneten Tarek Al-Wazir in der Debatte zugeschrieben wird. Laut Protokoll ließ er verlautbaren: „Ehrlicherweise muss man dann auch sagen: Es macht keinen Sinn, Quatsch wie Magnetschwebebahnen zu fordern (…)“ Keine Auseinandersetzung mit Studien, keine Analyse von Anwendungsfällen – nur die Abwertung einer bewährten Technologie zu „Quatsch“. 

Wortspiel, Ordnungsruf und Aufruhr

Die Debatte verlief nicht nur inhaltlich interessant, sondern auch parlamentarisch turbulent. Die Grüne Abgeordnete Victoria Broßart begann ihre Rede mit einem Verweis auf die berühmte Stoiber-Rede zum Transrapid München. Broßart nutzte sie, um die Magnetschwebebahn als gescheiterten Rückschritt darzustellen: „Bis auf eine hochdefizitäre Strecke in Shanghai und ein paar Betonbrocken im Emsland ist nichts vom Transrapid übrig geblieben“, sagte sie.

Auf diese Aussage reagierte der AfD-Abgeordnete Maximilian Kneller – der im September 2025 bereits in einer Bundestag-Rede explizit für den Transrapid eingetreten war – mit einem Zwischenruf: „Was ist daran hochdefizitär? Das müssen Sie mal erklären! Die läuft besser als jede Bahn hier! Keine Ahnung!“ Kneller hat recht, diese Frage zu stellen. Die Transrapid-Strecke in Shanghai beträgt seit über 20 Jahren kommerziellen Betrieb und erreicht eine Zuverlässigkeitsquote von über 99,9 Prozent – von „hochdefizitär“ ist keine Rede. Im Gegenteil: Die Auslastung ist hoch und die konventionelle Metro läuft dort unwirtschaftlich.

In seiner eigenen Redezeit sprach Kneller Broßart direkt an und empfehle ihr, ihre „Transfeindlichkeit beim Thema Verkehr“ zu überwinden. Ein Wortspiel, das die Sitzungsleitende Vizepräsidentin Andrea Lindholz nicht gelten ließ. Sie erteilte Kneller einen Ordnungsruf mit folgender Begründung: Der Abgeordnete habe „bewusst nicht von ‚Transrapidfeindlichkeit‘ gesprochen“, sondern durch seine Wortwahl der Kollegin Broßart „ohne sachlichen Hintergrund und ohne Debattenbezug eine mensch- bzw. gruppenverachtende Gesinnung vorgeworfen“ und sie damit „in ihrer geschlechtlichen Identität angegriffen und herabgewürdigt.“

Die Reaktion in der AfD-Fraktion war erwartungsgemäß scharf. Dr. Bernd Baumann kritisierte die Sitzungsleitung – woraufhin Lindholz ihm ebenfalls einen Ordnungsruf erteilte, mit dem Wortlaut: „Sie kriegen jetzt von mir einen Ordnungsruf dafür, dass Sie meine Sitzungsleitung gerade kritisiert haben.“ Ob ein Wortspiel auf „Trans“ in einer Verkehrsdebatte, die sich um Transrapid drehte, tatsächlich eine persönliche Herabwürdigung darstellt, bleibt – vorsichtig gesagt – eine Interpretation, die sich nicht jedem Beobachter erschließt. Was sich erschließt: Die Debatte über Magnetschwebebahnen wurde in diesem Moment von einer Ordnungsruf-Diskussion überschattet, die den eigentlichen Kern – die Zukunft einer innovativen Verkehrstechnologie – aus dem Blickfeld rückte.

Ein Muster, das sich zieht

Die Grüne Ablehnung der Magnetschwebebahn ist kein Ausrutscher – sie ist ein Muster. Seit den frühen Planungsphasen des Transrapid zieht sich eine konsequente Opposition durch die Geschichte der Partei, die sich bis heute kaum verändert hat. Der langjährige Systemingenieur Günter Steinmetz beschreibt in seinem Buch Im Marionettentheater – Freie Fahrt … aber nicht für Transrapid? detailliert, wie sich die Grünen bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren gegen konkrete Magnetbahnprojekte stellten – etwa Hamburg–Berlin oder München–Flughafen – und politische Rahmenbedingungen durchsetzten, die faktisch auf das Scheitern dieser Projekte hinausliefen.

Steinmetz spricht dabei von einem fundamentalen Widerspruch: Ein leises, lokal emissionsfreies, energieeffizientes und flächensparendes Verkehrssystem wurde ausgerechnet von jener Partei bekämpft, die vorgibt, Umwelt- und Klimaschutz zur Richtschnur ihres Handelns zu machen. Diese ablehnende Grundhaltung ist keine historische Kuriosität. Sie zieht sich bis in die Gegenwart fort. Auch heutige, deutlich kleinere und regional gedachte Magnetbahnansätze, stoßen bei den Grünen weiterhin auf reflexhafte Ablehnung: weniger aus technischer oder ökologischer Analyse, mehr aus einer Art ideologischer Distanz zu einer Technologie, die nicht aus dem Kontext „traditioneller“ Schienenverkehr stammt.

Steinmetz‘ Fazit ist ernüchternd: Die Magnetbahn scheitert in Deutschland nicht an ihrer Umweltbilanz, sondern an einer politischen Blockadehaltung, die bis heute nicht überwunden wurde.

Eine Klatsche für Bögl

Für die Firmengruppe Max Bögl bedeutet die Bundestag-Debatte vom 30. Januar eine bittere Lektion. Das Unternehmen aus Sengenthal arbeitet seit über einem Jahrzehnt – überwiegend aus Eigenmitteln – an dem Transport System Bögl, einer modernen, urbanen Magnetschwebebahn. Die Technik ist erprobt, das Eisenbahn-Bundesamt hat im November 2025 die Betriebsgenehmigung einer betriebseigenen GmbH erteilt und Machbarkeitsstudien zeigen ein deutliches Potenzial für mehrere deutsche Städte. Alles, was noch fehlt, ist der politische Rückenwind – konkret: die Aufnahme von Magnetschwebebahnen in den GVFG-Förderrahmen.

Dass Max Bögl dabei auf Unterstützung aus der Politik zählen kann, wurde zumindest auf dem Papier versprochen. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung unter Friedrich Merz enthält eine explizite Passages: „Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) wird vereinfacht und entbürokratisiert, für innovative Ansätze (zum Beispiel Magnetschwebebahn) geöffnet.“ Doch bis heute wurde dieses Versprechen nicht in Tat umgesetzt. Das GVFG ist unverändert, die Magnetbahn ist weiterhin nicht förderfähig.

Auf der Max-Bögl-Website lässt sich die Aufbauarbeit der letzten Jahre im Bereich politischer Besuche nachlesen: Robert Habeck, damaliger Wirtschaftsminister und Grüner, besuchte 2023 die Teststrecke in Sengenthal und zeigte sich beeindruckt von den Innovationen. Die Bayerischen Grünen um Fraktionsvorsitzenden Ludwig Hartmann waren 2022 vor Ort und lobten die Technologie ausdrücklich. Der Hamburger Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks – selbst ein Grüner – informierte sich 2025 über das System. Besuch für Besuch wurde stolz dokumentiert, Foto für Foto auf der Firmenwebsite veröffentlicht.

Und trotzdem: Genau diese Partei – die Grünen – fordert im Bundestag, Magnetschwebebahnen aus der Förderung herauszunehmen. 

Auch die Union und SPD fahren dabei nicht sauber durch. Sie haben die Magnetschwebebahn sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben – ein Versprechen, das vor rund achtzehn Monaten gegeben wurde. Doch konkrete Schritte zur Umsetzung fehlen bis heute. Das GVFG wurde nicht angetastet, Zeitpläne wurden nicht kommuniziert, Fördersummen nicht konkretisiert. Dass die Grünen die Magnetbahn ablehnen, ist ein Muster; dass die Union beim Umsetzen zögert, ist ein Versagen. Für Max Bögl – einem Unternehmen, das mit eigenen Mitteln eine Technologie zur Marktreife gebracht hat, die Deutschland braucht – ist beides zusammen eine Klatsche.

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David Harder

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Grüne im Bundestag lehnen Magnetschwebebahn ab

Am 30. Januar 2026 zeigte der Deutsche Bundestag, wie ideologisch und faktenfrei Verkehrspolitik inzwischen geführt wird. In einer GVFG-Debatte verlangte Bündnis 90/Die Grünen, vertreten durch Victoria Broßart, den Ausschluss von Magnetschwebebahnen aus der Förderung. Ihr Fraktionskollege Tarek Al-Wazir bezeichnete die Technologie im Plenum pauschal als „Quatsch“ ohne jede Auseinandersetzung mit Studien oder realen Anwendungsfällen.

Als der AfD-Abgeordnete Maximilian Kneller widersprach und Broßart eine „Transfeindlichkeit beim Thema Verkehr“ (angelehnt auf Transrapid) vorwarf, griff die Sitzungsleitung ein. 

Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz erteilte einen Ordnungsruf, mit der Begründung, die Wortwahl stelle keinen sachlichen Bezug zur Debatte her, sondern greife die Abgeordnete persönlich an. Ein weiterer Ordnungsruf folgte, als Bernd Baumann die Sitzungsleitung für diese Vorgehensweise kritisierte. 

Der Antrag und die Debatte

Am 30. Januar 2026 wurde im Bundestag ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen zur Novellierung des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG) beraten – offizieller Titel: „Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz novellieren – Kommunen stärken und Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs langfristig absichern“ (Drucksache 21/3842). Inhaltlich enthielt er eine Forderung, die vor dem Hintergrund aktueller Verkehrsdebatten kaum auffälliger sein konnte: Die Grünen verlangen, „auf die Förderung von Magnetschwebebahnen zu verzichten, da diese keinen verkehrlichen Mehrwert für den ÖPNV bieten und den Ausbau bestehender ÖPNV-Systeme verhindern.“

Diese Aussage ist nachweislich falsch. Unabhängige Machbarkeitsstudien – unter anderem für Nürnberg – zeigen, dass das Transport System Bögl (TSB) in relevanten Kennzahlen deutlich vor konventionellen Straßenbahnen liegt: bei Energieverbrauch, bei Wartungskosten und bei Unfallrisiken. Die Technik bietet, im richtigen Anwendungskontext, massive Vorteile gegenüber bestehenden Systemen. Dass diese Vorteile in einem Bundestag-Antrag gleich pauschal weggewischt werden, muss sich die Grüne Abgeordnete Victoria Broßart in dieser Debatte vorwerfen lassen.

Besonders aufschlussreich war ein Zitat, das dem Grünen Abgeordneten Tarek Al-Wazir in der Debatte zugeschrieben wird. Laut Protokoll ließ er verlautbaren: „Ehrlicherweise muss man dann auch sagen: Es macht keinen Sinn, Quatsch wie Magnetschwebebahnen zu fordern (…)“ Keine Auseinandersetzung mit Studien, keine Analyse von Anwendungsfällen – nur die Abwertung einer bewährten Technologie zu „Quatsch“. 

Wortspiel, Ordnungsruf und Aufruhr

Die Debatte verlief nicht nur inhaltlich interessant, sondern auch parlamentarisch turbulent. Die Grüne Abgeordnete Victoria Broßart begann ihre Rede mit einem Verweis auf die berühmte Stoiber-Rede zum Transrapid München. Broßart nutzte sie, um die Magnetschwebebahn als gescheiterten Rückschritt darzustellen: „Bis auf eine hochdefizitäre Strecke in Shanghai und ein paar Betonbrocken im Emsland ist nichts vom Transrapid übrig geblieben“, sagte sie.

Auf diese Aussage reagierte der AfD-Abgeordnete Maximilian Kneller – der im September 2025 bereits in einer Bundestag-Rede explizit für den Transrapid eingetreten war – mit einem Zwischenruf: „Was ist daran hochdefizitär? Das müssen Sie mal erklären! Die läuft besser als jede Bahn hier! Keine Ahnung!“ Kneller hat recht, diese Frage zu stellen. Die Transrapid-Strecke in Shanghai beträgt seit über 20 Jahren kommerziellen Betrieb und erreicht eine Zuverlässigkeitsquote von über 99,9 Prozent – von „hochdefizitär“ ist keine Rede. Im Gegenteil: Die Auslastung ist hoch und die konventionelle Metro läuft dort unwirtschaftlich.

In seiner eigenen Redezeit sprach Kneller Broßart direkt an und empfehle ihr, ihre „Transfeindlichkeit beim Thema Verkehr“ zu überwinden. Ein Wortspiel, das die Sitzungsleitende Vizepräsidentin Andrea Lindholz nicht gelten ließ. Sie erteilte Kneller einen Ordnungsruf mit folgender Begründung: Der Abgeordnete habe „bewusst nicht von ‚Transrapidfeindlichkeit‘ gesprochen“, sondern durch seine Wortwahl der Kollegin Broßart „ohne sachlichen Hintergrund und ohne Debattenbezug eine mensch- bzw. gruppenverachtende Gesinnung vorgeworfen“ und sie damit „in ihrer geschlechtlichen Identität angegriffen und herabgewürdigt.“

Die Reaktion in der AfD-Fraktion war erwartungsgemäß scharf. Dr. Bernd Baumann kritisierte die Sitzungsleitung – woraufhin Lindholz ihm ebenfalls einen Ordnungsruf erteilte, mit dem Wortlaut: „Sie kriegen jetzt von mir einen Ordnungsruf dafür, dass Sie meine Sitzungsleitung gerade kritisiert haben.“ Ob ein Wortspiel auf „Trans“ in einer Verkehrsdebatte, die sich um Transrapid drehte, tatsächlich eine persönliche Herabwürdigung darstellt, bleibt – vorsichtig gesagt – eine Interpretation, die sich nicht jedem Beobachter erschließt. Was sich erschließt: Die Debatte über Magnetschwebebahnen wurde in diesem Moment von einer Ordnungsruf-Diskussion überschattet, die den eigentlichen Kern – die Zukunft einer innovativen Verkehrstechnologie – aus dem Blickfeld rückte.

Ein Muster, das sich zieht

Die Grüne Ablehnung der Magnetschwebebahn ist kein Ausrutscher – sie ist ein Muster. Seit den frühen Planungsphasen des Transrapid zieht sich eine konsequente Opposition durch die Geschichte der Partei, die sich bis heute kaum verändert hat. Der langjährige Systemingenieur Günter Steinmetz beschreibt in seinem Buch Im Marionettentheater – Freie Fahrt … aber nicht für Transrapid? detailliert, wie sich die Grünen bereits in den 1990er- und 2000er-Jahren gegen konkrete Magnetbahnprojekte stellten – etwa Hamburg–Berlin oder München–Flughafen – und politische Rahmenbedingungen durchsetzten, die faktisch auf das Scheitern dieser Projekte hinausliefen.

Steinmetz spricht dabei von einem fundamentalen Widerspruch: Ein leises, lokal emissionsfreies, energieeffizientes und flächensparendes Verkehrssystem wurde ausgerechnet von jener Partei bekämpft, die vorgibt, Umwelt- und Klimaschutz zur Richtschnur ihres Handelns zu machen. Diese ablehnende Grundhaltung ist keine historische Kuriosität. Sie zieht sich bis in die Gegenwart fort. Auch heutige, deutlich kleinere und regional gedachte Magnetbahnansätze, stoßen bei den Grünen weiterhin auf reflexhafte Ablehnung: weniger aus technischer oder ökologischer Analyse, mehr aus einer Art ideologischer Distanz zu einer Technologie, die nicht aus dem Kontext „traditioneller“ Schienenverkehr stammt.

Steinmetz‘ Fazit ist ernüchternd: Die Magnetbahn scheitert in Deutschland nicht an ihrer Umweltbilanz, sondern an einer politischen Blockadehaltung, die bis heute nicht überwunden wurde.

Eine Klatsche für Bögl

Für die Firmengruppe Max Bögl bedeutet die Bundestag-Debatte vom 30. Januar eine bittere Lektion. Das Unternehmen aus Sengenthal arbeitet seit über einem Jahrzehnt – überwiegend aus Eigenmitteln – an dem Transport System Bögl, einer modernen, urbanen Magnetschwebebahn. Die Technik ist erprobt, das Eisenbahn-Bundesamt hat im November 2025 die Betriebsgenehmigung einer betriebseigenen GmbH erteilt und Machbarkeitsstudien zeigen ein deutliches Potenzial für mehrere deutsche Städte. Alles, was noch fehlt, ist der politische Rückenwind – konkret: die Aufnahme von Magnetschwebebahnen in den GVFG-Förderrahmen.

Dass Max Bögl dabei auf Unterstützung aus der Politik zählen kann, wurde zumindest auf dem Papier versprochen. Der Koalitionsvertrag der Bundesregierung unter Friedrich Merz enthält eine explizite Passages: „Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) wird vereinfacht und entbürokratisiert, für innovative Ansätze (zum Beispiel Magnetschwebebahn) geöffnet.“ Doch bis heute wurde dieses Versprechen nicht in Tat umgesetzt. Das GVFG ist unverändert, die Magnetbahn ist weiterhin nicht förderfähig.

Auf der Max-Bögl-Website lässt sich die Aufbauarbeit der letzten Jahre im Bereich politischer Besuche nachlesen: Robert Habeck, damaliger Wirtschaftsminister und Grüner, besuchte 2023 die Teststrecke in Sengenthal und zeigte sich beeindruckt von den Innovationen. Die Bayerischen Grünen um Fraktionsvorsitzenden Ludwig Hartmann waren 2022 vor Ort und lobten die Technologie ausdrücklich. Der Hamburger Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks – selbst ein Grüner – informierte sich 2025 über das System. Besuch für Besuch wurde stolz dokumentiert, Foto für Foto auf der Firmenwebsite veröffentlicht.

Und trotzdem: Genau diese Partei – die Grünen – fordert im Bundestag, Magnetschwebebahnen aus der Förderung herauszunehmen. 

Auch die Union und SPD fahren dabei nicht sauber durch. Sie haben die Magnetschwebebahn sogar in den Koalitionsvertrag geschrieben – ein Versprechen, das vor rund achtzehn Monaten gegeben wurde. Doch konkrete Schritte zur Umsetzung fehlen bis heute. Das GVFG wurde nicht angetastet, Zeitpläne wurden nicht kommuniziert, Fördersummen nicht konkretisiert. Dass die Grünen die Magnetbahn ablehnen, ist ein Muster; dass die Union beim Umsetzen zögert, ist ein Versagen. Für Max Bögl – einem Unternehmen, das mit eigenen Mitteln eine Technologie zur Marktreife gebracht hat, die Deutschland braucht – ist beides zusammen eine Klatsche.

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